INSPIRATION FRÜHLING 2020
DIE HÄLSINGEHÖFE
– schwedisches Weltkulturerbe

MAN SIEHT SIE ÜBERALL, wenn man sich auf eine Reise durch die schwedische Provinz Hälsingland begibt – die stattlichen Hälsingehöfe. Von diesen ca. 1.000 historischen Holzbauernhäusern in der Region gehören sieben zum UNESCOWeltkulturerbe. Mehr als 40 von ihnen sind für Besucher zugänglich und bieten Führungen mit den Eigentümern an. Häufi g befi nden sich die Höfe seit Jahrhunderten in Familienbesitz. Mit unserer Kollektion im Gepäck begaben wir uns auf die Reise und besuchten einige der Höfe, um vor dieser Kulisse unsere Frühjahrskollektion zu fotografi eren.

Binnen fünf Tagen besuchten wir die Gutshöfe Ol-Anders, Löka und Hans Ers in der Gemeinde Alfta sowie den Weltkulturerbe-Hof Jon-Lars in Långhed. Begrüsst wurden wir von energischen, stolzen, sachkundigen und enthusiastischen Eigentümern, deren Familien diese wunderbaren Bauernhäuser seit vielen Generationen bewohnen und erhalten.

Unser herzlicher Dank für die freundliche Unterstützung gilt Elisabeth vom Heimatverband Gästrike-Hälsinge, Håkan vom Hälsingehof Jon-Lars, Ulla vom Hälsingehof Hans Ers, Mona, der Trachtenschneiderin, Gudrun vom Hälsingehof Ol-Anders, Gun-Marie vom Hälsingehof Löka und Helena vom Landgasthof Alfta.
 

 

MONA ROSENQVIST, Trachtenschneiderin
Auf dem Gutshof Hans Ers treffen wir Mona Rosenqvist, die zu den wenigen verbleibenden Trachtenschneiderinnen auf dieser Welt gehört. Mona trägt die traditionelle Tracht der Gemeinde Alfta und erzählt uns von den Hunderten verschiedenen Trachten, die es allein in Hälsingland gibt. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Varianten. Monas Auftragsbuch ist voll mit Bestellungen für neue Trachten, darunter schwedische Volkstrachten, norwegische Nationaltrachten (auch Bunader genannt) und Bestellungen aus aller Welt. Eine Tracht lässt sich nicht im Handumdrehen anfertigen. Es bedarf umfassender Kenntnisse zu Geschichte, Textilien und Nähtechniken.

Gutshof Löka in GUNDBO
Auf einer Anhöhe in der kleinen Gemeinde Gundbo gelegen findet man den Dreiseitenhof Löka, einen ehemals in Familienbesitz befindlichen Gutshof aus dem frühen 17. Jahrhundert. Heute beherbergt der Hof den Heimatverein der Gemeinde Alfta, welcher unter anderem über eine bezaubernde Textilsammlung verfügt. Hier konnten wir vor hölzernen Hauswänden in klassischem Schwedenrot fotografieren.
 

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VORLAUBEN
– ein wichtiges Statussymbol

Bostadshusens Eine reich verzierte, hölzerne Eingangsüberdachung am Wohnhaus stellte einen wichtigen Indikator für den Status der Familie und die bauliche Qualität des Gutshofes dar. Bei den Hochzeitsfeiern wichtiger Persönlichkeiten hiessen Spielmänner die Gäste am prächtig dekorierten Hauseingang willkommen.

IMPOSANTE Gutshöfe
In der Provinz Hälsingland bildeten Bauernfamilien über lange Zeit die dominierende Gesellschaftsschicht. Sie besassen eigenes Land und waren mächtige Mitglieder der Dorfgemeinden. Ihre Höfe wurden von Generation zu Generation weitervererbt. Der Familienbesitz lässt sich häufig bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Die prächtigen Hälsingehöfe mit ihren üppigen Schnitzereien und Malereien, die häufig von Handwerkern aus der Nachbarprovinz Dalarna angefertigt wurden, waren Statussymbole für die Familien, welche die Gutshöfe bewohnten.
 

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Hälsingland, Leinenland
Der Flachsanbau in Hälsingland lässt sich bis ins dritte Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen. Erst im 17. bis 19. Jahrhundert konnten allerdings mit der Herstellung und dem Export von Leinen grosse Gewinne erzielt werden. Leinen und Damast aus Hälsingland gewannen an Bekanntheit und wurden u. a. an den französischen Adel verkauft. Die Flachsernte war jedoch ein mühsames Unterfangen – Raufen, Wenden, Pressen, Spinnen ... Im 19. Jahrhundert erwies sich dann die Forstwirtschaft als immer profi tabler und Baumwolle begann, Leinen vom Markt zu verdrängen.

OL-ANDERS in Alfta
Seinen Namen verdankt das Holzbauernhaus Ol-Anders wohl dem im Jahr 1640 geborenen Bauern Olof Andersson. Ursprünglich war der Hof bei der Dorfkirche gelegen, brannte aber zusammen mit einer Reihe anderer Gebäude bei einem Grossbrand im Jahr 1793 nieder. Der Gutshof wurde auf einem Hügel neu errichtet und dient heute als Besucherzentrum für die Hälsingehöfe. Hier können prächtige Wandmalereien bestaunt und das Auswanderermuseum besucht werden, welches die Reise von Emigranten aus Alfta ins weit entfernte Bishop Hill, Illinois, im 19. Jahrhundert illustriert.
 

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DER REICH DEKORIERTE Hof Jon-Lars
Auf dem grössten der Hälsingehöfe, Jon-Lars, treffen wir Håkan, der uns herumführt. Er wohnt auf dem Hof und ist mit den Brüdern verwandt, die das Bauernhaus im Jahr 1850, nachdem es durch einen Brand zerstört worden war, wieder aufbauten. Die Brüder teilten das Haus auf und gestalteten ihre jeweilige Hälfte in unterschiedlichen Stilen. Hier fi ndet man unter anderem exklusive, französische Tapeten und makellose, türkisblaue Malereien aus dem 19. Jahrhundert. Die Bauernhäuser wurden mit grosser Kunstfertigkeit und handwerklichem Geschick von speziell angeheuerten Handwerkern gebaut und dekoriert.
 

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HANS ERS, Gemeinde Alfta
Der Hof und die Familie Hans Ers tauchen bereits in Dokumenten aus dem Jahr 1560 zum ersten Mal auf. Im 20. Jahrhundert wurden auf dem Gutshof einige spannende Funde gemacht, welche Licht in seine weit zurückreichende Geschichte brachten. So wurde bei Reparaturarbeiten eine umfassende und faszinierende Sammlung bemalter Wandteppiche aus gewebtem Leinen entdeckt – insgesamt eine Fläche von 80 Quadratmetern, wobei der älteste Teppich aus dem Jahr 1565 stammte. Wir sind auf Hans Ers zu Besuch und treffen Ulla Hansers, die in direkter Linie von den ursprünglichen Eigentümern abstammt. Sie und ihr Ehemann Per-Gunnar leben auf dem Hof und machen das hervorragend erhaltene Bauernhaus und seine fantastische Geschichte regelmässig in Form von Führungen für Besucher zugänglich.

Wir danken Ulla ganz herzlich für ihre Gastfreundschaft!